Integration von Flüchtlingen über betriebliche Ausbildung

Datum des Artikels 11.03.2016

Mittelstandsvereinigung informiert Mitglieder

steb Bis­sen­dorf. Wie kön­nen Flücht­lin­gen auf dem Ar­beits­markt Fuß fas­sen? Wel­che be­ruf­li­chen Zie­le ha­ben sie? Was er­war­ten Un­ter­neh­mer von ih­nen? Da­rü­ber in­for­mier­te jetzt im Tech­no­lo­gie Cen­trum Bis­sen­dorf die Mit­tel­stands- und Wirt­schafts­ver­ei­ni­gung der CDU/CSU, kurz MIT ge­nannt.

Für die MIT ist die Sa­che klar: Da­mit In­teg­ra­ti­on ge­lin­ge, bie­tet sich für Flücht­lin­gen die Ar­beits­auf­nah­me an, zi­tier­te der MIT-Kreis­vor­sit­zen­de Die­ter Keck die Po­si­ti­on sei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on. Wie in Deutsch­land üb­lich, sol­le der Be­rufs­ein­stieg über ei­ne be­trieb­li­che Aus­bil­dung er­fol­gen.

Doch wie vie­le Flücht­lin­ge ken­nen staat­li­che Ar­beits­ver­mitt­lungs­be­hör­den über­haupt? „Es ist der­zeit enorm schwie­rig, be­last­ba­res Da­ten- und Zah­len­ma­te­ri­al zu be­kom­men“, be­kann­te Chris­ti­a­ne Fern. Im­mer­hin: Die Vor­sit­zen­de der Ge­schäfts­füh­rung der Agen­tur für Ar­beit Os­na­brück konn­te die Zahl von 8134 ge­mel­de­ten er­werbs­fä­hi­ge Aus­län­der im Agen­tur­be­zirk nen­nen. In­ter­nen Be­fra­gun­gen auf Bun­des­ebe­ne aus den Vor­jah­ren zu­fol­ge brin­gen 80 Pro­zent kei­nen mit deut­schen Maß­stä­ben ver­gleich­ba­ren Aus­bil­dungs­ab­schluss mit, sag­te Fern. Gut je­der ach­te Be­frag­te zwi­schen 25 und 65 Jah­ren sei nicht qua­li­fi­zier­bar. Die Un­ter­su­chun­gen be­leg­ten, dass es ge­schätzt fünf bis zehn Jah­re dau­e­re, bis die Men­schen be­ruf­lich in­te­griert wä­ren. „Wir müs­sen uns vor al­len Din­gen von dem Ge­dan­ken ver­ab­schie­den, dass wir den Fach­kräf­te­be­darf mit Flücht­lin­gen voll­stän­dig de­cken kön­nen“, mein­te Fern.

Man­che Mig­ran­ten sei­en auch nicht ge­willt, die Spra­che müh­sam zu ler­nen und da­nach noch ei­ne drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung an­zu­tre­ten. „Sie su­chen in er­ster Li­nie Jobs, weil sie teil­wei­se Schul­den bei Schleu­sern ab­de­cken müs­sen oder Geld an ih­re Fa­mi­li­en schi­cken“, so Fern.

Sprach­kur­se not­wen­dig
Aus der Pra­xis be­rich­te­te Bas­ti­an Wes­sel-El­ler­mann, zu­stän­dig für Per­so­nal bei DPD Geo Post Deutsch­land. Viel­fach re­kru­tie­re sich das Per­so­nal (Aus­län­der­an­teil: über 70 Pro­zent) im Pa­ket­um­schlag aus Wer­bung von Mund zu Mund. Ak­tu­ell be­schäf­ti­ge man sechs Flücht­lin­ge, ab Fe­bru­ar star­te­ten am Stand­ort Mel­le acht wei­te­re Mig­ran­ten. Auch wenn es nur um das Be­we­gen von Pa­ke­ten geht, ist die Tä­tig­keit doch er­klä­rungs­be­dürf­tig, sag­te Wes­sel-El­ler­mann. Seit ver­gan­ge­nem Jahr ge­be es da­her ei­nen wö­chent­li­chen Sprach­kurs, für den das Un­ter­neh­men am Stand­ort gut 15 000 Eu­ro im Jahr be­zah­le. We­gen der be­trieb­li­chen Ex­pan­si­ons­plä­ne le­ge DPD der­zeit ein Pro­gramm auf, das je­dem Mit­ar­bei­ter 1000 Eu­ro zahlt, wenn er ei­nen neu­en Kol­le­gen für die Fir­ma ge­winnt, kün­dig­te Wes­sel-El­ler­mann an.

Bau­lei­te­rin Fran­zis­ka Kathe vom Holz­bau­un­ter­neh­men Kat­he aus Vech­ta stell­te ei­nen 31-jäh­ri­gen Af­gha­nen vor, der seit ei­nem hal­ben Jahr zum Zim­mer­mann aus­ge­bil­det wer­de. In Kon­takt sei man zu dem in sei­ner Hei­mat als Po­li­zist aus­ge­bil­de­ten Mann über die ört­li­che Ca­ri­tas ge­kom­men. „Spre­chen Sie mit den­je­ni­gen, die Flücht­lin­ge ken­nen. Denn die wis­sen, was sie kön­nen, wol­len und zu was sie fä­hig sind“, riet Kat­he den rund 40 Teil­neh­mern. Der af­gha­ni­sche Azu­bi brau­che na­tür­lich mehr Un­ter­stüt­zung, et­wa in Deutsch und Mat­he. Vie­les leis­te man in der Fir­ma, an­de­re Hil­fen müss­ten von der Ar­beits­agen­tur und den Hand­werks­kam­mern ein­ge­for­dert wer­den.

Sa­bi­ne Ost­en­dorf (Maß­ar­beit) kün­dig­te an, dass ak­tu­ell 1200 Flücht­lin­ge im Land­kreis un­ter­ge­bracht sei­en. Für die­ses Jahr be­lie­fen sich die in­ter­nen Schät­zun­gen auf 4000 zu­sätz­li­che Men­schen, die in der Re­gi­on auf­zu­neh­men sind, sag­te Ost­en­dorf.

 

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung: 26.02.2016 (Bersenbrücker Kreisblatt), Seite 9