MIT-Osnabrück Stadt und Land, 29. gemeinsamer Neujahrsempfang 2020 mit Christian Wulff

Datum des Artikels 27.01.2020

Christian Wulff, Bundespräsident a.D. spricht auf dem gemeinsamen 29. Neujahrsempfang 2020 der Kreisverbände MIT-Osnabrück Stadt und Land


MIT Osnabrück-Land und -Stadt – Jahresauftakt mit über 300 Teilnehmern
„Volles Haus“ mit über 300 Teilnehmern im Osnabrücker Hotel Vienna Remarque anlässlich des 29. gemeinsamen Neujahrsempfanges der MIT-Kreisverbände Osnabrück Stadt und Land.
Jede Teilnehmerin wurde mit einer Rose begrüßt.
H.-Dieter Klahsen, Kreisvorsitzender der MIT Osnabrück-Stadt, begrüßte unter anderen zahlreiche Vertreter der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik.
Hauptredner war Bundespräsident a. D. Christian Wulff.
Klahsen zeichnete seinen Amtsvorgänger Reinhard Alscher für sein jahrzehntelanges Engagement für den Mittelstand in Osnabrück aus. Sichtlich bewegt dankte Alscher.
Klahsen unterstrich in seiner lebhaften Rede den vom 14. Bundesmittelstandstag in Kassel angenommenen Antrag zur Lockerung des Lkw-Fahrverbotes an nicht bundeseinheitlichen Feiertagen. Klare Signale, so Klahsen, führten auch zu Ergebnissen.
Die Wiedereinführung der Meisterpflicht bei zwölf Berufen sei ein gutes Zeichen für Handwerk und Mittelstand.
Landwirte und Landwirtschaft gehörten zum Mittelstand und verdienten mehr Wertschätzung, bräuchten faire Wettbewerbsbedingungen und mehr Planungssicherheit.
Man müsse aufhören, dem Bürger ständig in die Taschen zu greifen. Dem Hang zum Regulieren müsse Einhalt geboten werden.
Klahsen zeigte sich besorgt über die aggressive Streitkultur in der Klimadebatte. Die Klimapolitik können nur gelingen, wenn nach dem Miteinandersprechen auch das Handeln folge, so Klahsen.


Der Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der niedersächsischen Landesgruppe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dr. Mathias Middelberg MdB, unterstrich die Erfolge des MIT-Kreisvorsitzenden H.-Dieter Klahsen und die des früheren Bundespräsidenten und vormaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. Kommende Themen, beispielsweise Wettbewerbsdruck und Migration, könnten nur mit innovativen und klugen Ideen begegnet werden.


Ethik und Moral seien Herausforderungen in einer sich verändernden Welt, so Christian Wulff. Großunternehmen seien im Gegensatz zu kleinen und mittleren Betrieben anfälliger für kriminelle Energien.
Es komme darauf an, junge Menschen für Wirtschaft zu begeistern. Was gestern richtig war, könne heute oder morgen falsch sein.
Nachhaltigkeit sei das Thema. Gerade diese müsse zum Denken treiben.
Deutschland befinde sich in einer brillanten Wirtschaftslage, nichtsdestotrotz sei die Stimmung mies. Wer nicht stolz auf das Erreichte ist, treibe die Menschen letztlich in die Arme der Feinde der Demokratie.
Andere Zeiten benötigten auch andere Antworten, so Wulff.
Die Blickrichtung müsse sich richten auf die „Z-Begriffe“ wie Zukunft, Zusammenhalt, Zivilcourage und Zuversicht ins Gelingen statt ins Versagen.
Deutschland investiere theoretisch wie praktisch in die Jugend.
Wulff forderte, dass das neue Jahrzehnt mit Zuversicht angegangen werden müsse. Die vorhandenen Netzwerke müssten genutzt werden.


Dietrich Keck, Kreisvorsitzender der MIT Osnabrück-Land, leitete zum schmackhaften Buffet über, das keine Wünsche offenließ.
Gute Gespräche rundeten den diesjährigen Neujahrsempfang ab.

Hier noch der Artikel der Neuen Osnabrücker Zeitung:

JAHRHUNDERT DER VERÄNDERUNGEN
Ex-Bundespräsident fordert in Osnabrück mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt
Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 28.01.2020. Autor: Daniel Batel

Christian Wulff hat in Osnabrück für mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland geworben. Die Religion oder Hautfarbe dürften bei der Beurteilung einer Person keine Rolle spielen, forderte der Altbundespräsident jetzt beim gemeinsamen Neujahrsempfang der beiden Osnabrücker Kreisverbände der CDU-Mittelstandsvereinigung.

Wulff war ins Remarque-Hotel eingeladen worden, um über das Thema

"Ethische Herausforderungen an die Wirtschaft in einer veränderten Welt"

zu sprechen. Gleich zu Beginn machte der frühere Bundespräsident deutlich: "Im 21. Jahrhundert wird sich mehr ändern als in den ganzen letzten 2000 Jahren."


"Jahrhundert der Frauen"
Darüber, dass viele Frauen zum Neujahrsempfang überhaupt noch ihre Männer mitgebracht hätten, scherzte Wulff zunächst noch, ehe er ernster wurde und vom "Jahrhundert der Frauen" sprach. Der CDU-Politiker hatte in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident mehr Frauen und mehr Menschen mit Migrationshintergrund in sein Kabinett geholt, als dies zuvor gemeinhin üblich war, und sich damit den Ruf erarbeitet, glaubhaft für Gleichberechtigung und Integration zu stehen – und das fordert er auch vom deutschen Mittelstand, und zwar nicht zuletzt im eigenen Interesse.


Integration bedeutet "GMHütte oder Oesede"
Es sei für das Wirtschaftswachstum Deutschlands essentiell, dass die Integration von Zugewanderten konsequent vollzogen werde, betonte Wulff. Bürger dürften weder nach ihrer Hautfarbe, noch nach ihrer Religion, ihrem Geschlecht oder sonstigen äußerlichen Eigenschaften beurteilt werden. Wulff verwies auf ein Interview mit dem dunkelhäutigen Trainer des VfL Osnabrück Daniel Thioune, der darin offenbar gefragt wurde, wie er es geschafft habe, so gut Deutsch zu lernen. Was dem Interviewer offenbar nicht in den Sinn kam: Thioune ist in Georgsmarienhütte geboren. "Integration", wie Wulff weiter ausführte, "sollte bei uns bedeuten, ob jemand aus GMHütte oder aus Oesede kommt – und nicht, woher die Eltern einmal kamen". Wenn dieser Prozess gelänge, dann würde auch das volle Potenzial aller Menschen in Deutschland zur Entfaltung kommen.

Nach der starken Zuwanderung der Jahre 2015 und 2016 sei die erste Runde im Streit um die Deutungshoheit möglicherweise an rechte Kräfte gegangen, räumte Wulff ein und gab sich kämpferisch: Die nächste Runde werde nicht mehr an die Populisten gehen. Diese Vorhersage sei "nicht naiv", denn Deutschland habe "insgesamt die Integration in beeindruckender Weise gemeistert".


Deutschland "nicht automatisch Autoproduzent der Welt"
Angesichts der wachsenden Konkurrenz mit starken Wirtschaftsmächten wie China und den USA müssten Europa und insbesondere die Deutschen eine neue Akribie entwickeln, forderte Wulff. Als Beispiel nannte er die Automobilindustrie, die Deutschland seit jeher zu großem Wohlstand verholfen habe, was bei aller Kritik etwa über den Dieselskandal nicht übersehen werden dürfe. Es sei längst nicht selbstverständlich, dass deutsche Hersteller auch in Zukunft noch so erfolgreich exportieren wie bisher. 

Dass Deutschland ein weltweit führender Automobilstandort ist, steht leider nicht im Grundgesetz.

Dennoch wollte das Ex-Staatsoberhaupt nicht schwarzmalen – im Gegenteil. Ihm sei es "ein Rätsel", welche "Negativ-Verzerrung" es derzeit gebe: Objektiv betrachtet gehe es Deutschland wirtschaftlich sehr gut. "Ich frage mich, wie die Stimmung einmal sein soll, wenn es wirklich schlecht läuft", sorgte sich Wulff. Wer in einer so guten Lage alles schlechtrede, der treibe die Bevölkerung in die Hände der Feinde der Demokratie.


"Nicht nur bis 2035 denken"
Die Politik müsse sich ständig selbst hinterfragen, denn "was gestern noch richtig war, kann morgen falsch sein". Insbesondere die "Fridays for Future"-Bewegung müsse sehr ernst genommen werden, betonte Wulff. Während viele in den Fünfziger- oder Sechzigerjahren geborene Menschen nur bis 2035 dächten, gehe es den jungen Klimademonstranten um ganz andere Zeithorizonte. "Sie werden noch das Jahr 2100 erleben, und das müssen wir berücksichtigen bei unserem Handeln", appellierte der Ex-Bundespräsident an die Mittelständler im Saal.